IT-Kunden suchen Lösungen und nicht mehr bloss Produkte, darüber herrscht in der Branche mittlerweile Einigkeit. In den letzten Jahren hat dies zu einer intensiven Verlagerung in Richtung Servicegeschäft geführt, so dass Dienstleistungen mittlerweile bei den meisten IT-KMU den grössten Anteil am Umsatz ausmachen (ganz zu schweigen vom Anteil am Deckungsbeitrag). Dienstleistungen werden von Menschen erbracht. Um langfristig überleben und gesund wachsen zu können, brauchen die IT-Unternehmen aber nicht einfach nur mehr Mitarbeiter, sie brauchen gute Leute, die fachlich und menschlich top sind. Gute und qualifizierte Mitarbeiter sind daher schon heute einer der mitentscheidenden Wettbewerbsfaktoren, um den sich der IT-Unternehmer intensiv kümmern muss, will er nachhaltig erfolgreich im Markt tätig sein. Man kann sogar nüchtern feststellen, „ohne gute Leute keine positive Unternehmensentwicklung und damit kein gesundes Wachstum“.
Einige aktuelle Trends in Gesellschaft und Arbeitswelt
- Mit der zunehmenden Digitalisierung unseres Privatlebens wird die IT breit gesellschaftsfähig und von potentiellen Mitarbeitern als interessanter Wachstums- und Karrieremarkt erkannt. Für IT-KMU (und andere IT-Unternehmen) ein Pluspunkt.
- Es fehlen viele gute Fachspezialisten in der IT, behaupten wenigstens die Presse und die Politik. In der Realität muss aber differenziert werden, so gilt dies momentan sicher für den Vertrieb und für einige Spezialgebiete der IT. Die Knappheit ist auch regional stark unterschiedlich. Für IT-KMU ist vor allem der Mangel an guten Lösungsverkäufern ein Engpass.
- Immer mehr IT-KMU wachsen über die magische Grösse von 20-30 Mitarbeitern hinaus und stehen damit vor ihrem ersten Führungsproblem. Damit entsteht zusätzlich der Bedarf an Führungskräften, die neben IT-Know-how auch Management-Know-how mitbringen müssen. Hier tun sich viele IT-KMU schwer, solange sie diesen Bedarf nicht mit am Unternehmen beteiligten Partnern abdecken können.
- Nicht nur bei den Kunden, auch auf dem Arbeitsmarkt herrscht grosse Konkurrenz unter den IT-Unternehmen. Grosse, attraktive und trendige Arbeitgeber wie Microsoft, Google, Apple und sicher auch einige lokale Firmen bewerben sich um die besten Leute. Hier haben es die KMU vor allem dann schwer, wenn sie versuchen, mit den gleichen Argumenten anzutreten wie die Grossen (hohe Gehälter, Sozialleistungen, Fringe Benefits, «Google Playground» usw.).
- «Gute» Mitarbeiter, und von denen spreche ich hier, haben klare Vorstellungen ihres künftigen Arbeitgebers. Es sind nicht das Gehalt, die Sozialleistungen, der schöne Arbeitsplatz usw., die den Ausschlag für oder gegen eine Stelle geben, es sind vielmehr folgende Wertfaktoren: Gute Mitarbeiter suchen einen Sinn in ihrer Arbeit, sie suchen herausfordernde Ziele, sie wollen in einem erfolgreichen Unternehmen arbeiten und darauf stolz sein (weil sie selbst ja auch einen Teil dazu beigetragen haben), sie suchen Freiräume und Verantwortung, sie wollen etwas bewegen und verändern und sie wollen Spass an der Arbeit haben.
Wieso IT-KMU gute Karten haben
Beim Bemühen um die guten Mitarbeiter haben IT-KMU, schon allein aufgrund ihrer kleinen Grösse, gute Karten und einen Vorteil gegenüber Google und Co. Ich würde sogar sagen, sie haben einen klaren Wettbewerbsvorteil, den es allerdings gilt, in die Realität umzusetzen. Dazu gehören drei Dinge:
- Eine klare Strategie: Die klare Strategie bildet das Fundament für die Attraktivität des Unternehmens auch auf dem Arbeitsmarkt. Genau wie Kunden merken auch gute Mitarbeiter sehr schnell, ob das Unternehmen erfolgreich positioniert ist und ihnen künftig den gewünschten Rahmen für ihre persönliche berufliche Entwicklung bieten kann. Die Unternehmervision, das Leitbild und die Corporate Mission – idealerweise entwickelt unter direktem Einbezug der Mitarbeiter – vermitteln die Sinnhaftigkeit der Arbeit. Mitarbeiter verbringen einen wesentlichen Teil ihrer Lebenszeit an ihrem Arbeitsplatz und diese Zeit wollen sie nicht verschwenden, sie wollen etwas Sinnvolles damit bewirken.
- Den Mut des Unternehmers, Leute einzustellen, die (fachlich) besser sind als er selbst: Wer diesen Mut nicht aufbringen kann, wird immer nur die «zweite Garnitur» bekommen und damit sein Unternehmen zwangsläufig in seiner Entwicklung beschränken. Erfolgreiche Unternehmer wissen, nur die besten Leute sind gut genug.
- Eine Führungskultur, die mit «selbständig denkenden Mitarbeitern» umgehen kann: Das ist die Konsequenz aus dem vorher gesagten. Es klingt allerdings schwieriger, als es in der Realität ist. Ein wesentlicher Teil der notwendigen Führungskultur wird nämlich durch die Strategie geleistet, denn sie gibt – richtig gemacht und umgesetzt – einen klaren Handlungsrahmen für das ganze Unternehmen und damit auch für die selbständig denkenden Mitarbeiter. Sie können – und wollen – sich daran orientieren und wissen oftmals von selbst, was zu tun ist.
Diese drei Dinge lassen sich in IT-KMU wesentlich einfacher, schneller und für die Mitarbeiter spürbarer umsetzen. Die Mitarbeiter sind wesentlich näher am Geschehen, am Kunden, am Unternehmer und am Markt und fühlen sich so ernster genommen und schneller als ein Teil der Firma. Identifikation mit dem Unternehmen ist ein schier unerschöpfliches Reservoir an Motivation und positiver Energie für Höchstleistungen. Identifikation schaffen Sie mit gemeinsam geteilten Zielen und einer gemeinsam entwickelten Strategie.
Sie haben als IT-Unternehmer auf dem Arbeitsmarkt also wirklich gute Karten. Lernen Sie sie auszuspielen.
Die Unternehmenskultur im KMU ist massgeblich beeinflusst durch den Unternehmer selbst
«Erst Werte machen ein Unternehmen wertvoll». Für die erfolgreiche Entwicklung und Umsetzung einer Alleinstellungsstrategie braucht es die «richtige» Unternehmenskultur. Sie gibt dem Unternehmer und seinen Mitarbeitern die notwendige Orientierung, vermittelt Sinn am unternehmerischen Tun und reflektiert die Werte, die dem Unternehmen wichtig sind und die es vorantreiben. Und, was zentral ist, sie implantiert dem Unternehmen den klaren Zweck, zufriedene Kunden zu schaffen. Nur, kann man die Kultur im eigenen Unternehmen überhaupt managen?
Die Unternehmenskultur lässt sich nicht direkt managen, wie beispielsweise ein Projekt. Sie entsteht aus den im Unternehmen gelebten Traditionen, Regeln, Glaubenssätzen und den gelebten Werten. Speziell bei den Werten lässt sich aber aktiv ein Rahmen schaffen, der die Kultur massgeblich beeinflusst und auf diese Weise in die gewünschte Richtung lenkt. Dank ihrer (kleinen) Grösse und ihrem direkten Bezug zum Inhaber und Eigentümer stellt man bei KMU immer wieder fest, dass die Firmenkultur intensiv spürbar und sichtbar ist. In aller Regel ist sie ganz direkt von den Vorstellungen und Werthaltungen – und den damit verbundenen Handlungen und Unterlassungen – des Unternehmers geprägt. Er und wo vorhanden sein Führungsteam beeinflussen die Unternehmenskultur in starkem Masse durch ihre Vorbildwirkung. Der Bezug zwischen dem Unternehmer und der Unternehmenskultur ist daher sehr eng und nicht auflösbar. Konsequenterweise lässt sich die Firmenkultur im KMU auch nur auf dem Weg über den Unternehmer beeinflussen und damit indirekt verändern.
Positive Werte zur Unterstützung der Entwicklung und Umsetzung der Alleinstellungsstrategie
«Die richtigen Werte sind die Basis für Wertsteigerung, und damit für den nachhaltigen Unternehmenserfolg. Befindet sich die Unternehmensstrategie mit den geltenden Werten im Einklang, steht ihrer Umsetzung praktisch nichts mehr im Wege.» schreibt der profundet KMU-Kenner und Strategieberater Arnold Weissmann in seinem Buch «Die grossen Strategien für den Mittelstand» sehr treffend.
Unter einer werteorientierten Kultur verstehe ich, dass die Firmenkultur über ein Set an klaren Grundregeln und Grundwerten verfügt, die dazu geeignet sind, die Unternehmensziele und die Strategie wirkungsvoll zu unterstützen. Insofern müssen die Werte positiven Charakter haben und zur Positionierung des Unternehmens passen. Es macht also keinen Sinn, einen generischen Katalog von Unternehmenswerten festzulegen und diesen rezeptartig in jedem x-beliebigen KMU einführen zu wollen. Werte und die daraus entstehende Firmenkultur sind immer individuell und müssen aus der spezifischen Unternehmer- und Unternehmenssituation heraus kristallisiert und entwickelt werden.
Es wird allerdings eine «Mindestqualität» bei den Werten benötigt, damit sie ihre positive Stahlkraft auf die Kultur und damit verbunden die Strategieumsetzung wirksam entfalten können. Denn Werte wie «Profit um jeden Preis» vertragen sich augenscheinlich nicht mit Prinzipen wie «Nutzen- vor Gewinnmaximierung». Darüber hinaus sind die IT-Unternehmen aber frei, Ihren Wertekatalog in Übereinstimmung mit ihren Zielen, ihrem Leitbild, ihrer Mission und ihrer Strategie möglichst widerspruchsfrei für Kunden und Mitarbeiter zu definieren und zur Basis ihres unternehmerischen Tuns zu erklären.
Professionelle und erfolgsversprechende Strategiearbeit beschäftigt sich daher immer auch mit der Firmenkultur und den Unternehmenswerten, welche in der Regel im Leitbild verkörpert sind. Die tollste und kundenorientierteste Strategie ohne entsprechende Abstützung und Support durch die Unternehmenskultur wird mit Sicherheit scheitern bzw. nie ihr volles Potential ausschöpfen können.